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Für den Notfall spenden auch Hunde Blut |
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Montag, 12. Juli 2010 um 10:02 Uhr |
Für den Notfall spenden auch Hunde BlutHattingen. In der Tierarztpraxis Wolf in Hattingen spenden Vierbeiner Blut für kranke Hunde. Verwendet das Blut direkt, für Transfusionen in Notfällen. Die fünfköpfige Tierarzt-Truppe möchte den Kreis der Spender erweitern und eine Datenbank einrichten.Mexx zuckt nicht mal mit der Wimper, als die Nadel seine Haut durchsticht. Binnen Sekundenbruchteilen schießt Blut aus seiner Vene, füllt durch einen Schlauch den Spendebeutel. Cornelia Oberste-Beulmann streicht dem Boxer über das Fell, zieht die Nadel ab. Lockert den roten Gummischlauch, umwickelt Mexx Vorderbein mit Verband. Der Rüde ist Blutspender. Hundeblutspender.
Bis zu 400 Milliliter nimmt die Tierärztin pro Spende ab. Verwendet das Blut direkt, für Transfusionen in Notfällen: „Wenn Hunde einen Unfall haben oder einen Tumor, der platzt”, erklärt die 38-Jährige. Oft blieben Tumorerkrankungen der Milz sehr lange unentdeckt. „Ab einem Alter von acht Jahren sollten die Hunde untersucht werden.” Blutabnahme und Ultraschall würden Gewissheit geben. „Platzt ein Milztumor auf, bluten die Hunde in die Bauchhöhle.“ Dann zählt jede Sekunde: Es droht Lebensgefahr.Nach ihrem Studium arbeitete die Hattingerin in PortugalEbenfalls oft unentdeckt bleiben Erkrankungen durch Zeckenbisse. „Ehrlichiose, Babesiose und Anaplasmose werden immer häufiger diagnostiziert. Die Erreger zerstören die roten Blutkörperchen, was zu Anämien, also Blutarmut führt. Ein akuter Schub kann lebensbedrohlich sein.” Die Symptome: „Die Tiere bekommen hohes Fieber, der Urin färbt sich braun, die Hinterhand sackt zusammen.” Dann bräuchten sie dringend Blut und Medikamente.Cornelia Oberste-Beulmann kennt sich aus. Nach ihrem Studium arbeitete die Hattingerin in Portugal. Dort lernte sie die als südländisch geltenden Zeckenbiss-Infektionen kennen. „Da die Zahl südländischer Hunde in Deutschland steigt, nimmt auch die Zahl der Infektionen hierzulande zu”, erläutert sie. Zecken befallen infizierte Hunde, übertragen anschließend die Erreger weiter. Die Tierärztin empfiehlt Mittel zur Prophylaxe gegen Zecken.Vorsichtig hievt sie Mexx vom Behandlungstisch. Der streift schwanzwackelnd durch die Praxis von Rüdiger Wolf an der Friedrichstraße. „Die Spende hat keinerlei Nachwirkungen, das Blut bildet sich in drei bis vier Wochen nach”, erklärt Cornelia Oberste-Beulmann. Lobt Mexx, krault ihm den Rücken. Er ist Profi: Zehn Mal spendete er in den vergangenen Jahren. Geht jetzt in den Ruhestand: „Mit zehn Jahren ist er zu alt.”Rund zwanzig Hunde gehören inzwischen zum Team der tierischen Blutspender. Die fünfköpfige Tierarzt-Truppe möchte den Kreis erweitern: „Wir richten eine Datenbank ein”, so die Veterinärin. Denn die Zahl der Transfusionen steigt. „Zwei bis drei Notfälle haben wir im Monat”, berichtet sie. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. „Wir sind 24 Stunden am Tag erreichbar, 365 Tage im Jahr.”Auch der eigene Hund kann mal einen Notfall habenAuch der Besitzer eines vierbeinigen Spenders könnte demnach nachts einen Anruf erhalten. Denn im Notfall muss das Blut direkt übertragen werden. Aufbewahren können es die Tierärzte maximal drei Tage. Cornelia Oberste-Beulmann gibt zu bedenken: „Auch der eigene Hund kann mal einen Notfall haben.” Das motiviere zur spontanen Hilfe. Die Transfusion kostet den Spender nichts, der Empfänger zahle etwa 40 Euro für das Blut.Mexx ist quietschfidel. Vergräbt schnaufend die feuchte Hundenase im T-Shirt der Ärztin. „Drei Monate sollten zwischen den Spenden liegen”, erklärt sie. Mehr als zwölf Blutgruppen gebe es bei Hunden. Die von Spender und Empfänger müssten bei einer Erstspende nicht identisch sein. „Weil das Blut des Notfall-Hundes noch keine Antikörper gegen das des Spenders gebildet hat”. Ein weiteres Mal dürfe der Patient aber kein Blut dieser Gruppe erhalten.Das gerade abgenommene Blut lagert Cornelia Oberste-Beulmann kühl. Mexx läuft ihr hinterher, wartet auf eine Belohnung. Fressen dürften die Tiere nach einer Spende sofort. Den Hunden mache die Blutabnhame nichts aus, beruhigt die Tierärztin: „Nur die Nadel schmerzt sicherlich ein bisschen.” Für Profis wie Mexx ist auch das kein Problem.   |